Von Schul AG über Westfalenbande in die Profiliga

Für Marco Cardoso, ein Eigengewächs aus den Reihen der Untouchables, erfüllt sich der Traum vom Baseballprofi in den USA. Er ist damit nach Nadir Ljatifi, der 2015 zu den Cincinnati Reds wechselte, das zweite Nachwuchstalent, welches der heimische Bundesligist hervorbringt und der nun die Chance auf eine ganz große Baseballkarriere hat.

Fußballer träumen davon eines Tages für Clubs wie Bayern München oder Real Madrid zu spielen. Im Baseball heißen diese Teams New York Yankees und die Boston Red Sox. Erzrivalen seit über einem Jahrhundert und die Aushängeschilder dieser uramerikanischen Sportart mit über 210 Millionen aktiven Sportlern weltweit. Dieser Traum erfüllt sich nun für den 17-jährigen Paderborner Spitzensportler Marco Cardoso.

 

Marco entdeckte Baseball im Alter von sieben Jahren über eine Schul AG an der Heinrich-Bonhoeffer Grundschule im Paderborner Stadtteil Schloß Neuhaus. Udo Happ, Vorstandsmitglied der Untouchables und für die Schul AGs zuständig, erinnert sich noch gut, dass es viel Überzeugungsarbeit gekostet habe um, Marco vom Fußball zum Baseball zu bewegen. Er gehörte schon in der traditionellen Sportart zu den Besten und als wir ihn zum ersten Mal mit dem Baseballschläger schlagen sahen, war klar, dass er ein ganz großes Talent ist.

 

Marco durchlief alle Nachwuchsmannschaften der Untouchables, wurde mit ihnen Deutscher Schüler- und Jugendmeister. Er spielte in der Westfalenbande, der Deutschen Baseball Akademie, der U15 und U18 Nationalmannschaft.

Um sein Talent noch intensiver zu fördern und parallel eine solide schulische Ausbildung zu absolvieren, ermöglichte ihm sein Heimatverein die Untouchables ab 2015 den Eintritt ins Sportinternat Paderborn.  2016 erhielt das Internat für Marco ein Stipendium und konnte somit die erfolgreiche Arbeit mit ihm fortsetzen. 2017 absolvierte er die Schule und wurde als einer von 35 Spielern weltweit in eine Auswahlmannschaft von Major League Baseball (MLB) berufen. 

 

Auf der internationalen Bühne, bei Testspielen in Florida mit der Weltauswahl von MLB, machte er dann nochmal auf sich aufmerksam „Marco erfüllt drei von fünf Profianforderungen: Wurfkraft (über 150km/h), Laufgeschwindigkeit (100m in weniger als 11 Sekunden), und er spielt seine Position Shortstop auf dem Feld wie kein anderer in Europa. Was ihn zusätzlich ausmacht, ist der Umstand, dass er links- und rechtshändig schlagen kann“, so Alper Bozkurt, Nachwuchskoordinator bei den Untouchables und leitender Landestrainer in NRW. Ausschlaggebend für das Angebot zum Profi seitens der Red Sox war, laut Bozkurt, seine Leistung bei der Prager Baseballwoche Ende Juni. Vor den Augen verschiedener Baseballorganisationen, die eigens zur Sichtung des 17-Jährigen aus den USA angereist waren, spielte er die Konkurrenz schwindelig und konnte die Scouts so überzeugen. 

 

Marco ist damit der zweite Spieler aus den Reihen der Domstädter, der eine Profikarriere in den USA beginnt. Die Untouchables sind damit auch die einzige Organisation in Europa, die zwei Spieler auf der Königsposition, Shortstop, an die MLB abgibt. „Es ist ein Ritterschlag für unsere Nachwuchsarbeit“ kommentiert der erste Vorsitzende J. Uwe Diedam den Verlust des Topspielers kurz vor den Play-Offs. Durch den Wechsel verliert Cardoso seinen Amateurstatus, und ist damit mit sofortiger Wirkung nicht mehr spielberechtigt in Deutschland. Auch wenn uns das in den Play-Offs schwächt, freue ich mich für Marco und seine Ausbilder sehr. Er ist das Paradebeispiel für unsere Jugendarbeit und für das Paderborner Sportinternat.  Der Junge hat Schule und Spitzensport unter einen Hut gebracht. Das ist genau das, was wir von unserem heimischen Internat erwarten, so der erste  Vorsitzende, der auch ehrenamtlicher Geschäftsführer des Sportinternates ist.

 

Für Marco Cardoso steht indess ein vierwöchiges Trainingslager in der Dominikanischen Republik an, wo die Trainer der Red Sox erneut Marcos Fähigkeiten auf den Prüfstein stellen, um ihn im Anschluss daran, einer Mannschaft im eigenen Nachwuchssystem zuzuordnen.